18. Juli 2008
Jumping Dinner:
Die Fremden an meinem Herd

Kochen, essen, neue Leute kennenlernen - beim Jumping Dinner geht das alles auf einmal. Protokoll eines Selbstversuchs.

16 Uhr: Lollo Rosso, Romana, Chicoree: Ich wasche Unmengen Salat, halbiere Cocktailtomaten, umwickle Lachsstücken mit Parmaschinken. Vor drei Tagen habe ich die E-Mail mit unserer Dinner-Route bekommen. Wir wurden für die Vorspeise eingeteilt. "Dreierlei Fischkonfekt an sommerlichem Salatbouquet mit Mango-Chili-Dip" wollen wir servieren. Der Name macht auf jeden Fall schon mal etwas her.
18 Uhr: Tisch gedeckt, Dressing angerührt, Fisch gewürzt. Meine Freundin Vanessa und ich sind soweit - nur unsere Gäste lassen auf sich warten. Und ich bin ein bisschen nervös. Schon komisch, wildfremde Menschen in der eigenen Wohnung zu bekochen.
18.20 Uhr: Inzwischen sind alle da, der Aperitif - Prosecco mit Erdbeeren - schmeckt und wir unterhalten uns nett. Laetitia kommt aus Madrid, ihre Kochpartnerin fotografiert gern und tut auf ihrem T-Shirt das Motto "Schöne Männer und Weltfrieden" kund. Das kann man nur unterstützen. Als zweites Team sitzen Nils und Nina mit am Tisch. Sie alle kannten sich vorher nicht. Wer sich einzeln anmeldet, dem wird ein Kochpartner zugeteilt.
18.45 Uhr: Höchste Zeit für den ersten Gang. Wir braten Lachs, Pangasiusfilets und Riesengarnelen an. Schön auf dem Salat drapieren, Kresse und Dill darüber streuen, dann wird serviert. Wir trinken Weißwein und reden über stolze Spanier, die Wohnungssuche in Hamburg und Schrottwichteln an Weihnachten. Gesprächspausen gibt es zum Glück keine.
19.30 Uhr: Offenbar hat es geschmeckt: Die Teller sind leer und wir erleichtert. Die Vorspeise ist schon mal geschafft. Die anderen wollen langsam los, sie sind gleich mit dem Hauptgang dran. Fürs Aufräumen bleibt wenig Zeit. Zwischen uns und dem zweiten Gang liegen noch 20 Minuten Fahrt mit der U-Bahn.
20.20 Uhr: Mist, wir sind zu spät. Laut Plan sollten wir jetzt bei Peer die Hauptspeise essen. Stattdessen stehen Vanessa und ich einer Frau gegenüber, die uns skeptisch mustert. "Hallo, wir wollen zum Jumping Dinner" - "Ja, aber bestimmt nicht bei mir!" Wir haben uns in der Hausnummer geirrt und bei den Falschen geklingelt. Peinlich.

20.40 Uhr: Die anderen Gäste sitzen schon am Tisch. Eng, aber gemütlich ist es in Peers Küche. Es gibt Pasta mit zweierlei Soßen. "Eine Männersoße und eine Sahnesoße", erklären die Gastgeber. Bolognese für die Herren und Garnelen für die Damen. Man darf aber auch geschlechterübergreifend essen, wenn man will.
21.15 Uhr: Ich nehme noch einen Schluck Roséwein. Das Essen ist lecker, die Unterhaltung aber keine ganz leichte Kost: Wir reden über prügelnde Jugendliche, Eva Hermann und Nazi-Vergleiche. Interessant. Aber auch komisch, mit Menschen zu diskutieren, die man gerade erst kennengelernt hat. Peers Katze Evil streicht uns um die Beine. Die anderen am Tisch haben schon öfter beim Jumping Dinner mitgemacht. Weil sie neue Leute kennenlernen wollen. Neugierig sind auf fremde Wohnungen. Und natürlich, weil sie gerne kochen.
22 Uhr: Wir müssen schon wieder weiter. Besonders viel Zeit bleibt nicht zum Kennenlernen. Aber schließlich wartet noch ein Nachtisch auf uns.
22.30 Uhr: Wir klingeln bei Yuri. Er ist Mexikaner, lebt seit sieben Jahren in Deutschland und hat eine ziemlich schicke Wohnung. Seine Kochpartnerin Manuela ist extra für das Dinner aus Oldenburg angereist.
23 Uhr: Der Nachtisch ist ein Traum: Manuela hat Tiramisù gezaubert und Yuri selbstgemachtes Vanilleeis - nach dem Rezept seines Bruders. Eigentlich bin ich schon ziemlich satt. Aber das zählt jetzt nicht.
00.15 Uhr: Es ist spät geworden. Yuri erzählt von seinen Geschäftsreisen nach Moskau und Shanghai. Dort hat er gebratene Entenzunge gegessen und verfaulte Eier. Zum Glück sind wir mit dem Essen fertig.
00.30 Uhr: Auf geht's zur letzten Station - dem "Come Together" in einer Kneipe. Hier treffen sich alle Teilnehmer. Yuri spendiert einen Mojito, ich unterhalte mich mit Nina von der Vorspeise und Achim vom Hauptgang. Inzwischen geht eine Liste mit E-Mail-Adressen rum. Wer mag, kann sich noch mal verabreden. Alle anderen hatten einfach einen lustigen Abend.

Jumping Dinner -
das müssen Sie wissen

Jumping Dinner findet alle zwei Wochen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart statt. Die Teilnahme kostet 26 Euro pro Person.
Der Ablauf ist stets derselbe: Die Teilnehmer melden sich als Zweierteam an oder bekommen einen Teampartner zugelost. Jedes Team ist für einen Gang eines dreigängigen Menüs verantwortlich. Jeder Gang wird in einer anderen Wohnung serviert, so dass jeder einmal Gastgeber und zweimal Gast ist. Bei jedem Gang sitzen andere Gäste am Tisch - nach dem Essen hat man also zwölf neue Bekanntschaften gemacht. Nach dem Essen gibt es ein "Come Together", bei dem sich alle Teilnehmer des Jumping Dinners treffen.

 

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