1. Februar 2007
Jumping Dinner

Drei Gerichte, drei Wohnungen und 14 Leute sind die Zutaten vom „Jumping Dinner“. „Junge Zeiten“-Autorin Maike Steuer ist einen Abend lang „mitgejumpt“.

16 Uhr: Vorbereitung

Vor meiner Haustür parkt ein blauer Toyota. Der Fahrer des Wagens ist mein Kochpartner des Abends und hört auf den Namen Mathias. „Sieht nett aus“, denke ich und werde in bestem Berlinerisch begrüsst. Etwas komisch ist es schon, einen wildfremden Mann mit in die Wohnung zu nehmen, aber seinen Komplizen auf der Mission „Jumping Dinner“ vor der Tür stehen zu lassen, wäre äußerst unklug, denn die Zeit rennt.

Zwar sind es noch knapp zwei Stunden bis zur Vorspeise bei Gabriela in Nippes, doch auch wir müssen noch einiges vorbereiten. Als letztes Glied in der Drei-Gänge-Menü-Kette liegt es an uns, ein möglichst essbares Dessert zu zaubern. Tiramisu - mit Kirschen und nicht mit Espresso - haben wir uns gemeinsam überlegt. Die Rollen in meiner Miniküche sind schnell verteilt. Ich mache, er assistiert. Im Nu füllt sich die braune Auflaufform mit mehreren Schichten Löffelbiskuit, Kirschen und Mascarpone-Joghurt-Sahne-Creme - das „Kochen“ klappt perfekt.

Nebenbei erfahre ich ein bisschen mehr über Mathias, der als Unternehmensberater in Troisdorf arbeitet, eigentlich - wer hätte es gedacht - aus Berlin kommt und Wiederholungstäter in Sachen „Löffel in fremden Küchen schwingen“ ist.

18 Uhr: Vorspeise

Wir haben das Ziel erreicht. Als menschliches Navigationssystem bin ich eigentlich eine Niete, heute ausgenommen. Pünktlich klingeln wir beim Vorspeise-Team und treffen auf Gabriela und Steffen sowie Janina und Daniela. „Du hier?“ Mathias ist mehr als erstaunt, seine einstige Kochpartnerin Janina anzutreffen. Nicht die einzige Überschneidung an diesem Abend. Bei überbackenen Nachos mit Gemüse und Salat und unzähligen Kerzen, die Gemütlichkeit verbreiten, quatscht es sich ganz ungezwungen.

Nachdem die üblichen Standards geklärt sind und Namen, Alter und Beruf aller Beteiligten im Raum umherschwirren, wird es lustig. „Ich habe so eine Weintasche“, beginnt Gabriela grinsend, „wo zwei Gläser und eine Flasche reinpassen. Eigentlich wollte ich mich damit einfach mal abends in die Bahn neben einen gut aussehenden Mann setzen und ganz lässig fragen: »Lust auf ein Gläschen Wein?«. Fändet ihr das doof?“ Die beiden Männer in der Runde sind hellauf begeistert und auch wir Mädels müssen lachen. Flirten kreativ, ob das auch mit zwei Kölsch ginge?

20 Uhr: Hauptgericht

Bevor wir auch nur einen Bissen der Spaghetti mit Gemüsesoße beim Freundinnenduo Miriam und Sonja gegessen haben, sorgt die Adresse bereits für Verwirrung. Es gibt gleich zwei „Hauptgerichte“ auf der Berrenrather Straße, nur 50 Hausnummern voneinander getrennt. Doch wir haben offensichtlich das richtige Haus erwischt, denn als ich mich als „Junge Zeiten“-Mitarbeiterin enttarne, sprudelt es aus Miriam: „Du wirst es nicht glauben, aber ich habe von dir geträumt.“ Das Gelächter der anderen ist groß, das Eis gebrochen.

Nach den leckeren Nachos kämpfen Mathias und ich mit den ebenso leckeren Spaghettis und verschlucken uns fast, als die vier Mädels unsere „Beziehung“ zu analysieren beginnen: „Ihr habt euch wirklich erst heut' Nachmittag kennen gelernt? Man könnte meinen, ihr seid zusammen.“ Falsch, denn unter den neun Teilnehmer-Paaren an diesem Abend gehören wir der Minderheit der zufällig zusammengewürfelten Teams an. Neben uns gibt es nur zwei weitere Duos, die vorher Fremde waren. Alle anderen sind entweder befreundet, zusammen oder gar verheiratet..

22 Uhr: Nachspeise

Zurück bei mir schlägt die Stunde der Wahrheit. Schmeckt das Tiramisu so gut, wie es aussieht? Unsere Gäste Bodo, Tanja, Ulrike und Anja meinen ja. Zwischen zwei Bissen versuchen wir, die letzten Stunden zu rekonstruieren und das entstandene Netzwerk an irgendwie bekannten Gesichtern zu entwirren. „Ach, ihr ward auch bei der indischen Reispfanne“, „die tolle Blauschimmelsoße von Sabine und Nadine hätte ich auch gern probiert“, tönt es.

Auch bei mir fügen sich bereits gehörte Namen langsam mit Gesichtern zusammen. Gar nicht so leicht, den Überblick bei 13 Leuten zu behalten. Apropos zusammen: Bodo und Tanja sind nicht nur das, sondern sogar verheiratet. Allerdings hat er seine ganz eigene Art damit umzugehen: „Fass mich nicht an. Man könnte meinen, wir wären ein Paar“, rügt er grinsend seine Frau, die zärtlich ihren Arm auf sein Bein gelegt hat.

23.30 Uhr: Absacker

Pappsatt, aber schwer begeistert treffen fast alle Köche des Abends im „Barrio“ aufeinander. Bei Prosecco und Kiba fällt mein Fazit sehr positiv aus: viele nette Leute, keine erkennbaren Freaks, lecker Essen und viel Action. Ich sollte mich öfters mal bei Fremden zum Essen einladen.

Die nächste Chance auf Fremd-Kochen gibt es am 24. Februar und 31. März
   

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